Am Sonntag nahmen mich zwei Kollegen, beide Inder, mit nach San Jose zum Sikh Gurdwara. Gurdwara ist eine Gebetsstaette der Sikhs (woertlich: Tor zum Guru).
An diesem Wochenende lag der Norden von Kalifornien unter einer Hitzewelle, sodass es selbst fuer kalifornische Verhaeltnisse ungewoehnlich sommerlich heiss war (Mitte November!). Auf dem Highway 101 blieben wir noch in einem Stau stecken, verursacht durch einen Unfall.
Der Gurdwara in San Jose liegt auf einem Huegel am Rande der Stadt, von dort hat mein eine grandiose Aussicht (inklusive Smog). Bei der Einfahrt in den Parkplatz wird man von riesigen Wasserfontaenen begruesst. Nach einigem Suchen fanden wir auch einen freien Platz.
Im Gurdwara war ein Riesenandrang. Zum Glueck machten mich meine indischen Freunde schon vorher mit den Verhaltensregeln bekannt. Also erstmal Schuhe und Socken ausziehen und Haende waschen (es gibt dafuer Raeume mit nummerierten Faechern in den Waenden fuer die Schuhe, und Waschbecken). Dann den Kopf mit einem Tuch bedecken; wenn man sein eigenes Tuch nicht mitbringt, kann man sich eines aus einem Korb ausleihen.
In dem hellen und herrlich dekorierten Gebetsraum (mit blinkenden Lichterketten) liess ich mich im Schneidersitz auf dem weichen Teppichboden nieder, waehrend meine zwei Freunde sich in die Schlange derjenigen einreihten, die vorne vor dem Guru Granth Sahib (der heiligen Schrift der Sikhs) niederknien und sich verbeugen. Maenner und Frauen sitzen getrennt, die Maenner links, Frauen rechts. Nach dem Niederknien bekommt jeder eine Handvoll von einer suessen, etwas waessrigen Paste (zum Essen).
Bei dieser Gelegenheit wurde mir mal wieder bewusst, wie ungelenkig ich bin. Meine Beine liessen sich nur aeusserst wiederspenstig verschraenken, und nach einiger Zeit in dieser Position verschwand jedes Gefuehl aus meinen Fuessen. Entschaedigt wurde ich aber durch die Musik, die drei Maenner mit langen Baerten und Turbanen, vorne neben dem heiligen Buch auf einem Podest sitzend, singend und auf zwei Harmoniums und einer Tabla spielend vortrugen.
(Wusstet ihr dass glaeubige Sikhs sich nie die Haare schneiden, sodass die Haare bis zu ihrer maximalen Laenge wachsen -- irgendwann brechen sie dann ab -- und die Maenner sie dann aufrollen und unter dem Turban verbergen? Hat mir meine indische Kollegin erzaehlt.)
Auf dem Weg vom Gebetsraum zum Speisesaal trafen wir dann noch ein paar Freunde meiner zwei Kollegen, alle Inder, die sich hier mit uns verabredet hatten. Das Essen wird wie in der Mensa auf Tabletten mit verschiedenen Vertiefungen ausgeteilt: Pickel, Naan (Fladenbrot), Daal (Linsen), Gemuese, Apfelscheiben, Salat, Kheer (suesser Reispudding). Alles vegetarisch. Und wieder auf dem Boden sitzen, diesmal hatte ich echt Probleme mit meinen Beinen, im Schneidersitz war das Tablett so weit weg dass an Essen unmoeglich zu denken war, also versuchte ich es mit Knien, bis meine Fussgelenke zu schmerzen begannen. Dann also mal die Beine zur Seite, kurze Zeit ausruhen und wieder knien. Das Essen war einfach und doch vorzueglich.
Draussen uebten sich einige juengere und nicht mehr so junge Sikhs in indischer Kampfkunst, mit Schwertern, Saebeln, Stoecken und anderen Utensilien, und alles mit Trommelbeschallung aus einem Autoradio.
Hier koennt ihr mehr Bilder vom Gurdwara in San Jose sehen.
Montag, 17. November 2008
Mittwoch, 29. Oktober 2008
Amerikanische Strassenverhaeltnisse
Ist euch schon mal aufgefallen, dass die Autos in amerikanischen Fernseh- und Kinofilmen immer sehr weiche Stossdaempfer haben? Amerikanische Autos sind weich gefedert, und das ist bei der Qualitaet der hiesigen Strassen auch noetig. Mit einem europaeischen Auto mit harter Achsaufhaengung wuerde man sich hier nach laengerem Fahren wahrscheinlich einen Bandscheibenschaden zuziehen. Ich merke das beim Fahrradfahren jedesmal deutlich. Auf manchen Strassen waere eine Federgabel schon angebracht.
Mein indischer Kollege findet die Strassen hier allerdings sehr gut, im Vergleich zu den indischen. Da wimmelt es nur so von Schlagloechern, und am schnellsten und sichersten bewegt man sich dort mit einem Motorrad fort. Damit kann man naemlich die Schlagloecher leichter umfahren...
Mittwoch, 15. Oktober 2008
Neue Heimat USA
Ende September bin ich von Amsterdam (Niederlande) in die USA umgezogen, nach Foster City in Kalifornien. Foster City liegt in der San Francisco Bay Area suedlich von San Francisco, genauer gesagt auf der Peninsula, am noerdlichen Rand des Silicon Valley. Seit 1. Oktober arbeite ich bei Cataphora in Redwood Shore. Leider kann ich nun nicht mehr ins Bimhuis in Amsterdam gehen, dafuer sind die CD's hier in Amerika aber viel billiger als in Europa (vor allem in den Niederlanden), so dass ich von nun an wieder mehr Jazz aus der Konserve geniessen werde.
Vor dem Abflug in Schiphol hatte ich nur eineinhalb Stunden geschlafen (ihr glaubt nicht, wieviel Arbeit es ist, eine Wohnung leer zu raeumen, alleine die Berge Abfall, die da zu entsorgen sind...). Dadurch war ich dann im Flugzeug so muede, dass ich waehrend des Fluges geschlafen habe, was ich normalerweise nicht kann, und ausserdem hatte ich damit zwei Drittel der Zeitverschiebung schon vorher aufgeholt, so dass ich bei der Ankunft in Amerika keinerlei Jetlag fuehlte.
Nach 8,5 Stunden Flug Ankunft in Philadelphia, Einreise in die USA mit H1B-Status, Gepaeck durch den Zoll und wieder einchecken, zwei Stunden Aufenthalt (Genug um was zu essen, denn das Essen im Flugzeug reicht fuer so eine lange Reise nicht aus), dann Weiterflug nach San Francisco (nochmal fuenfeinhalb Stunden).
Zum Thema Gepaeck: Ich hatte mein Fahrrad mitgenommen, in einem grossen Fahrradkarton, ausserdem einen grossen Koffer als checked baggage und einen kleinen als Handgepaeck. Ich hatte vorher zweimal bei US Airways angerufen, beidesmal die Aussage, Fahrrad kostet $100 (wegen der Uebergroesse), und zaehlt als checked baggage, maximal zwei Stueck checked baggage sind erlaubt, danach kostet es extra. Die gleiche Information auf der Webseite von US Airways. Am Flughafen in Schiphol beim Checkin war ploetzlich keine Rede mehr von $100, auf mein Nachfragen rief die freundliche Mitarbeiterin selber zweimal bei US Airways an um nachzufragen, aber das Fahrrad kostete nichts extra.
Ueber die Behandlung von Gepaeckstuecken auf Flughaefen hoert man ja viel. In Philadelphia war mein Fahrradkarton noch fast so wie beim Einchecken in Schiphol. In San Francisco wartete ich dann lange vergebens beim Excess Baggage Schalter, aber das Fahrrad kam nicht an. Mein Bekannter, der mich am Flughafen abholen wollte, auch nicht. Das Fahhrad musste in Philadelphia nochmal gescannt werden und verpasste dadurch das Flugzeug und wuerde erst mit dem naechsten Flug ankommen. Da ich wieder Adresse noch Telefonnummer meines Bekannten bei mir hatte, wohl aber in meiner Email, liess mich die sehr freundliche Frau am Excess Baggage Schalter mal eben auf ihrem Computer meine Email lesen und mich dann auch noch mit ihrem Telefon anrufen. Der Vorteil davon war, dass das Fahrrad am naechsten Tag geliefert wurde und wir es nicht ins Auto packen mussten. Der Karton sah allerdings ziemlich veraendert aus... Zum Glueck war das Fahrrad bis auf ein paar Kratzer unbeschaedigt.
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